Orkan trifft Haldorf 1987

10.5.1987

Die Wettervorhersage für Nordhessen

am Sonntag, den 10. Mai 1987 lautete

20 Grad mit gelegentlichen Regenschauern und stärkeren Winden. An diesem Muttertag machten sich die Edermünder Fußballer und zahlreiche Haldorfer Zuschauer auf den Weg zum Auswärtsspiel nach Haddamar.

 

Währenddessen braute sich über Nordhessen eine gelbgrüne Wolkenwand zusammen. Gegen 14:00 Uhr wurden auf dem Fritzlarer Flughafen Windgeschwindigkeiten von 74 km/h (Windstärke 8) gemessen. Gleichzeitig entstand am nordwestlichen Ortsrand von Haldorf eine Windhose, die mit mehr als 120 km/h (Windstärke 11) als Orkan durch Haldorf fegte. 

 

Wer sich zu diesem Zeitpunkt im Freien aufhielt befand sich in Gefahr. Dachziegel und andere Gegenstände wurden als Geschosse durch das Dorf geschleudert. Eine 2 Zentner schwere Pergola flog über ein Haus und landete beim Nachbarn. Große Bäume wurden entwurzelt. Holzhütten und auch das Kassenhäuschen am Sportplatz wurden dem Erdboden platt gemacht. Das Ehepaar Bremmer auf dem Berliner Platz hatte plötzlich kein Dach mehr über dem Kopf. Im Scheunendach des Landwirts Homburg klaffte ein 30 qm großes Loch.

 

 

Ein besonders dramatisches Erlebnis hatte Manfred Gerlach, als er versuchte seinen PKW noch rechtzeitg in die Garage in Sicherheit zu bringen. „Ich war bereits zur Hälfte mit dem PKW in der Garage, als der Sog des Orkans so stark wurde, dass sich das Fahrzeug trotz des Gaspedals nicht mehr nach vorn bewegte. Zum Glück saß ich bereits als Fahrer unter dem Garagendach, während die hintere Hälfte des Fahrzeugs noch im Freien stand und plötzlich Dachziegeln im hinteren PKW-Bereich einschlugen.“

 

 

Die Schneise des Orkans war so schmal, dass selbst in Haldorf zahlreiche Häuser unbeschadet davon kamen. Viele Haldorfer hatten in ihren Häusern nicht mitbekommen, was sich gerade im Dorf abspielte. Gleichzeitig wurden in Kassel Windgeschwindigkeiten von nur max. 53 km/h gemessen.

 

Um 14.11 Uhr wurden die Edermünder Feuerwehren alarmiert. Mit 8 Fahrzeugen und 64 Feuerwehrleuten machte man sich an die Aufräumarbeiten.

 

Die Bilanz des Orkans, der weniger als 1 Minute dauerte: mehr als 70 beschädigte Gebäude, diverse entwurzelte Bäume und Schäden auf Ackerflächen der Landwirte. Die Schadenshöhe ging in die hunderttausende Deutsche Mark. Es grenzte schon fast an ein Wunder, dass trotz umherfliegender „Geschosse“ keine Personen im Dorf verletzt wurden.

 

 

 

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